Einst stand ich fest auf jungen Beinen
Und die Tage gingen leicht
Jede Stunde schien mir ewig
Keine Grenze je erreicht
Doch die Jahre kamen leise
Ohne Ruf und ohne Klang
Und sie legten mir die Hände
Kalt und schwer um meinen Gang
Ach, die Zeit frisst alle Dinge
Was sie küsst, wird müd und alt
Sie nimmt Glanz und nimmt die Stimmen
Macht das Warme langsam kalt
Was wir glaubten, bleibt nicht stehen
Was wir schworen, bricht entzwei
Denn die Zeit kennt kein Erbarmen
Und sie geht an uns vorbei
Meine Haut trägt feine Spuren
Wie ein Buch aus fremder Hand
Jede Falte eine Stunde
Die ich einst nicht kommen sah
Und die Träume meiner Jugend
Liegen still und ungefragt
Wie vergessne alte Worte
Die seit Jahren niemand sagt
Was wir Ideale nannten
Wurde müde, wurde klein
Große Worte, leere Fahnen
Kein Versprechen wollte sein
Und ich sah, wie stolze Bilder
Langsam ihren Halt verlor’n
Wie der Glaube an das Morgen
Still und ohne Klang erfror
Manchmal steh ich vor dem Spiegel
Und er kennt mich kaum noch gut
Sieht den Schatten meiner Tage
Und den Rest von meinem Mut
Und ich frag mich, was einst bleiben
Wird von all dem, was ich war
Wenn die Zeit auch diese Frage
Still begräbt, Jahr um Jahr
Ach, die Zeit frisst alle Dinge
Was sie küsst, wird müd und alt
Sie nimmt Glanz und nimmt die Stimmen
Macht das Warme langsam kalt
Was wir waren, wird Erinnerung
Was wir sind, vergeht im Licht
Denn die Zeit geht ihre Wege
Und sie fragt nach uns nicht
So trag ich meine alten Jahre
Wie ein langsam schweres Kleid
Nicht aus Stolz und nicht aus Ehre
Nur aus stiller Dankbarkeit
Denn was bleibt, ist nur ein Gehen
Durch den Staub der eignen Zeit
Und das Wissen, dass wir sterben
Macht uns wahr und macht uns weit