Es war das Jahr 1987. Während viele auf Synthesizer schielten, die so viel kosteten wie ein Kleinwagen, fand ich meinen Einstieg in die Welt des Klangs durch einen beigen Kasten: den Amiga 500. Er war nicht bloß ein Computer; er war mein erstes echtes Instrument.
Heute, im Jahr 2025, steht derselbe Amiga immer noch auf meinem Schreibtisch – integriert in einen Workflow, der fast vier Jahrzehnte Computergeschichte umspannt.
Das Fundament: Die Tracker-Ära Der Amiga 500 führte mich in die Welt der Tracker ein. Für diejenigen, die nicht mit ihnen aufgewachsen sind: Tracker sind eine einzigartige Art, Musik mithilfe von vertikalen Zeitachsen und Hexadezimal-Codes zu komponieren. Im Gegensatz zum horizontalen „Tonband“-Layout moderner DAWs fühlte sich das Arbeiten mit Trackern an wie das Programmieren von Musik.
Als die Ära der 486er-PCs anbrach, wechselte ich zu Fasttracker II. Das war ein Wendepunkt. Plötzlich waren wir nicht mehr auf die vier Hardware-Kanäle des Amiga beschränkt; wir hatten 32 Kanäle mit 16-Bit-Sound. Die „MOD“- und „XM“-Dateien dieser Zeit prägten die Ästhetik der Demoszene – klar, knackig und unglaublich effizient.
Die Brücke schlagen: Hardware trifft Software Es mag nostalgisch erscheinen, einen Amiga 500 in einem modernen Studio zu behalten, aber der originale Paula-Chip (der Soundchip des Amiga) besitzt einen ganz speziellen „Crunch“, den Software-Emulationen bis heute nur schwer perfekt nachbilden können.
Mein aktuelles Setup ist ein Hybrid aus drei verschiedenen Epochen:
Der Retro-Kern: Der Amiga 500 für diesen authentischen 8-Bit-Sound und das raue Low-Sample-Rate-Feeling.
Die Produktionszentrale: FL Studio dient als meine primäre DAW. Es ist der spirituelle Nachfolger des Tracker-Workflows, führt dessen musterbasierte DNA fort und bietet gleichzeitig erstklassiges Mixing und VST-Unterstützung.
Die moderne Grenze: Generative KI. Ich nutze KI als Kollaborateur – zur Erzeugung von Texturen, zur Stem-Trennung oder als kreativen „Sparringspartner“, um aus alten Gewohnheiten auszubrechen.
Warum am Alten festhalten? Man fragt mich oft, warum ich nicht einfach „zu 100 % digital“ arbeite. Die Antwort ist Reibung. Moderne Software ist zu perfekt. Die Einschränkungen von Fasttracker oder dem Amiga zwingen einen dazu, kreativ zu sein. Man kann sich nicht hinter tausend Plugins verstecken; man muss dafür sorgen, dass die Samples funktionieren.
Die Kombination dieses „limitierten“ Denkansatzes mit der „unbegrenzten“ Power von KI und FL Studio erschafft einen Sound, der sowohl nostalgisch als auch futuristisch ist – eine echte „Future-Retro“-Synthese.
Zentrales Equipment in meinem Workflow: Amiga 500 (Original OCS/ECS)