Linie zehn zieht Lichter durch Sebaldsbrück
Scheiben malen Atem auf das kalte Glas
Bremer Wind zieht leise an den Herzen
Draußen klingen Glocken, drinnen wird es still
Ein Kind drückt seine Nase an die Scheibe
Folgt den Sternenketten in der Nacht
Irgendwo singt jemand „Stille Nacht“ ganz leise
Und plötzlich wird die ganze Bahn ganz weich
Rentner mit Mütze, Blick auf seine Hände
Denkt an die Jahre, als der Tisch noch voll war
Fotos in der Jacke, Stimmen in Erinnerung
Heute trägt ihn diese Bahn nach Hause, Stück für Stück
Gegenüber eine Mutter mit zerfledderter Liste
Rechnet ihre Wege, zählt die Tage bis zum Fest
Doch als ihr Kind den ersten Stern entdeckt
Lächelt sie und flüstert: „Es wird reichen, irgendwie“
Am Sielwall hängen Lichter überm Weg.
Im Viertel mischen sich Glühwein und Musik
Wir schauen aus den Fenstern, doch im selben Licht
Sind wir alle leise näher, Stück für Stück
Zwischen Haltestellen halten wir kurz ein
Linie zehn macht aus Fremden ein „Wir sind nicht allein“
Alle stillen Wünsche fahren mit dir mit
For a heartbeat we are home, just a little bit
Zwischen kalten Tagen, zwischen Tür und Tür
Teilen wir ein Schweigen, und es gehört zu mir und dir
Alle Sorgen warten draußen vor dem Licht
For a heartbeat we are seen, and it feels like Christmas a bit
Ich seh den Typ mit der Tüte, doch erzähl’s nicht hart
Er trägt Geschichten in den Falten, nicht nur Lebenslast
Früher war der Heiligabend laut in seinem Haus
Heute hört er seinen Atem, doch die Lichter gehen nicht aus
Da ist die Mutter mit dem Zettel, ja, der Monat war schwer
Doch wenn ihr Kind „Schau mal, Mama, Schnee!“ ruft,
lächelt sie mehr
Zwischen Konto und Kalender bleibt ein kleiner Moment
Wo sie spürt: Es gibt Geschenke, die man nicht als Zahlen kennt
Partyvolk steigt ein, Jacken riechen nach Dezemberluft
Glitzer auf den Schuhen, doch im Blick liegt auch Verlust
Trotzdem teilen sie ein Lachen, lehnen Stirn an kaltes Glas
Und ich denk mir: Vielleicht ist genau das hier unser Weihnachts-Jazz
Ein Mann in altem Mantel, sucht nur Wärme, keinen Blick
Kind rutscht näher, fragt: „Ist dir kalt?“ – ganz vorsichtig
Er nickt und sagt: „Ach, mien Jung, das geiht schon irgendwie“
Und in diesem kleinen Satz liegt eine stille Melodie
Am Sielwall spiegeln Fenster unser Leben
(Yeah, wir fahr’n vorbei, doch bleib’n kurz stehen)
Zwischen allen Wegen, die wir morgen gehn
Zwischen Haltestellen halten wir kurz ein
Linie zehn lässt die Stadt ein bisschen kleiner sein
Alle stillen Träume sitzen mit im Licht
For a heartbeat we are home, and it feels like Christmas light
Zwischen kalten Tagen, zwischen Tür und Tür
Wird ein leises „Frohe Weihnacht“ zu Musik in dir
Alle alten Wunden, sie verstummen nicht
Doch für einen Takt lang trägt uns dieses Licht
Jemand dreht die Kopfhörer leiser, hört den Chor vorm Dom
Ein Kinderlied im Hintergrund, klingt nach „Komm nach Haus“
Rentner tippt den Takt auf seine müden Knie
Das Kind malt mit dem Finger eine Krippe in den Schnee
Mutter schließt die Augen, atmet tief und frei
Ein Lächeln, das sie selber überrascht – ein stilles „Sei dabei“
Der Mann im alten Mantel summt ein altes Lied
Vielleicht aus einer Zeit, in der sein Herz noch lauter schlug und sieht
Die Stadt fährt weiter draußen, wir sind drinnen nur ein Hauch
Doch manchmal reicht ein Blick, ein Nicken, ein „Ich spür dich auch“
Zwischen Haltestellen halten wir uns fest
Linie zehn schenkt uns Fremden ein geteiltes Jetzt
Und vielleicht ist dieses Jetzt das größte Fest
For a heartbeat we are home, and our souls can rest
Zwischen gestern, morgen, irgendwo dazwischen hier
Ist ein kleiner Weihnachtsfrieden auf den Sitzen neben dir
Alle Wege trennen sich am End’ der Fahrt
Doch für diesen einen Abend
fuhr Linie zehn uns heim – in unser Herz
Hauptbahnhof, Knotenpunkt, die Türen gehn auf
Kälte atmet wieder laut in unser’n Lauf
Doch wir tragen dieses Flackern mit hinaus in’s Grau
Ein kleines Stück von „Wir“, ein leises Weihnachts-Now